Die Wissensoffensive „Fit für Digit@l“ bei Porsche

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Die Wissensoffensive „Fit für Digit@l“ bei Porsche

Beim zweiten Meetup der Corporate Learning Community Region Stuttgart (#clc0711) stand das Thema “Kompetenzen für Industrie 4.0” im Mittelpunkt. Dr. Matthias Görtz von der Porsche AG stellte in einem spannenden Impulsvortrag die Wissensoffensive „Fit für Digit@l“ vor. Die Wissensoffensive „Fit für Digit@l“ ist bei Porsche eine ressortübergreifende Initiative zur Begleitung der Mitarbeiter bei der Gestaltung des digitalen Wandels.

Stellen wir zunächst einmal der Mia von Porsche (ein Sprachassistent bzw. kleiner virtueller Avatar für die Wissensoffensive, vergleichbar mit Alexa, Cortana, Siri oder Google Assistant) die Frage: „Was ist der digitale Wandel?

Mia antwortet dann darauf:

Der digitale Wandel, auch digitale Transformation genannt, bezeichnet einen fortlaufenden Veränderungsprozess, der die gesamte Gesellschaft und insbesondere Unternehmen betrifft. Er steht für neue Technologien und Prozesse, neue Produkte und Services, und somit auch für neue Geschäftsmodelle und Arbeitsweisen. Was das im Kern für uns bei Porsche bedeutet, kannst Du gemeinsam mit mir entdecken, erfahren und gestalten!

Aufbauend auf solchen Teasern, welche erstmal bei den Mitarbeitenden ein Interesse wecken soll, zeigte Dr. Matthias Görtz die Notwendigkeit auf, beim Lernen eine gewisse dramaturgische Entwicklung zu realisieren. Ein erfolgreiches Change Management braucht etwas, das Spaß macht, etwas, das man auch mit Kollegen teilen möchte. Damit ist ein Aufsatzpunkt geschaffen, damit die Menschen zuhören und aktiviert sind.

Im nächsten Schritt kann man dann beginnen, sich konkreter mit den anstehenden Herausforderungen zu beschäftigen, um die Mitarbeitenden mit Basiswissen zu versorgen. Dazu galt herauszufinden, was denn die Themen der digitalen Transformation bei Porsche sind und womit sich die verschiedenen Ressorts beschäftigen. In dieser Researchphase wurden alle Ressorts befragt, was Digitalisierung dort für eine Bedeutung hat.

Das Ergebnis ist eine Art Landkarte der Digitalisierung bei Porsche, in deren Zentrum die Kernthemen der Digitalisierung (welche Technologien spielen eine Rolle, Internet der Dinge, Industrie 4.0) sowie die Treiber der digitalen Transformation (z.B. neue Technologien, Daten als Potenzial, wirtschaftliche Dynamik, Mobilität und Zukunft, neue Arbeit, veränderte Einstellungen) stehen. Um diese zentralen Themen herum sind die konkreten Handlungsfelder für Porsche in den Bereichen Produkte und Services, Kunde und Handel, Unternehmen und Prozesse, Mensch und Kultur dargestellt.

Diese Landkarte bildet eine inhaltliche Grundlage für die Wissensoffensive „Fit für Digit@l“ bei Porsche, mit der die Mitarbeitenden Digitales entdecken, erfahren und gestalten sollen. Dazu gilt es

  • Sensibilisierung und Relevanz zu schaffen
  • Chancen und Herausforderungen aufzuzeigen
  • Kenntnisse und Zusammenhänge zu vermitteln
  • Fachliche und übergreifende Kompetenzen aufzubauen

Zum Einsatz kommt dabei eine Vielfalt an Methoden, wobei Dr. Matthias Görtz darauf hinwies, dass die Kunst ist, auf die Ebene der Vernetzung zu kommen.

Schritt für Schritt wird eine Erklärwelt aufgebaut, die zur interaktive Vermittlung dient und eine gemeinsame Wissensbasis darstellt. Dort findet man Inhalte in Form von digitalen Lernmodulen, die relativ stabil sind. Diese zentrale Datenbasis wurde in einer Lernplattform mit einer Weboptik umgesetzt. Dazu wurden sehr viele Videos gedreht und Mitarbeitende, die an konkreten Projekten arbeiten, geben einen Einblick in ihre Arbeit.

Was wurde mit der Wissensoffensive „Fit für Digit@l“ bei Porsche bislang erreicht? Dazu wurde genannt:

  • Es konnte anhand von Beispielen nachgewiesen werden, dass das Vorgehen bei der Wissensoffensive für unterschiedliche Zielgruppen funktioniert. Mitarbeitende können Digitalisierung beispielhaft selbst erleben und ausprobieren.
  • Neben der Vermittlung von Basiswissen ist es wichtig, auch auf eine emotionale Ebene zu kommen. Das erleichtert sowohl Verhaltensänderungen als auch das Lernen von neuen Fertigkeiten.
  • Für digitale Lernmodule gibt es immer noch eine gewisse Berechtigung. Grundlage ist bei Porsche ein HTML 5 Framework, aber auch ein SCORM-Container mit allen Logiken, die wir aus E-Learning kennen. Wichtig ist es, eine gute Mischung aus digitalem Präsenzlernen und interaktiven Elementen zu erreichen.
  • Neben zentral bereitgestellten, längerfristig stabilen Inhalten sind zunehmend auch Inhalte wichtig, die von Fachbereichen dezentral sehr schnell selber gepflegt und angepasst werden können.
  • Sehr wichtig ist es, die Vernetzung zu ermöglichen und zu fördern. Das Kennenlernen der Kollegen und ihrer Arbeit in den Fachbereichen ist nicht immer einfach, da gerade die Experten stark ausgelastet und daher nicht so einfach zugänglich sind.
  • Für den Erfolg der Wissensoffensive ist es wichtig, die Experten anzuregen, auf den Bildungsbereich zuzukommen. Als zentraler Bereich kann man einfach nicht alle Kollegen identifizieren, die sich mit einem bestimmten Fachthema auskennen.
  • Eine besondere Herausforderung sind die direkten Werker, die in den Fabriken „im Takt arbeiten“. Diese haben ganz andere Anforderungen, als sich nach der Arbeit noch zwei Stunden mit dem Thema Digitalisierung zu beschäftigen.

Sicher nicht unbedeutend ist, dass das Top-Management hinter der Wissensoffensive “Fit für Digit@l” steht und diese als Handlungsfeld versteht. Im Geschäfts- & Nachhaltigkeitsbericht der Porsche AG ist dazu nachzulesen:

Mitarbeiterförderung und -qualifizierung ist nicht nur zentraler Bestandteil der Porsche-Kultur und des Führungsleitbilds, sondern auch in der Porsche Strategie 2025 fest verankert. Besonders der digitale Wandel stellt neue und deutlich veränderte Anforderungen an die Belegschaft. Um vor dem Hintergrund der Digitalisierung ein gemeinsames Verständnis sowie Wissen auf- und auszubauen, wurde 2017 die Initiative „Fit für Digit@l“ gestartet.


Dieser Beitrag ist auch auf dem Blog der Corporate Learning Community erschienen.


Weitere Beiträge vom Meetup “Kompetenzen für Industrie 4.0” der Corporate Learning Community Region Stuttgart:


Update 22. Juni 2018