Wissensarbeit als Treiber für Enterprise 2.0

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Als ersten unserer zehn Treiber für Enterprise 2.0 möchte ich mir die “steigende Bedeutung der Wissensarbeit” anschauen.

Bildnachweis – Bild oben: © Jurgen Appelo, Creative Commons 3.0 by http://www.management30.com/Die Menschen in den Unternehmen als Wissensträger zu verstehen und ihr Wissen im Sinne von Problemlösungskompetenz zu nutzen, das ist ein wichtiges Paradigma in einem Enterprise 2.0. Auf der Suche nach den Wissensschätzen in den Unternehmen hört man seit vielen Jahren immer wieder die gleiche Aussage von Entscheidungsträgern: “Wenn wir als Unternehmen wüssten, was wir als Unternehmen wissen”. Digitales Wissen wird zum Motor der Wertschöpfung in den Unternehmen. Aus dieser Problemstellung heraus ist Wissenmanagement als Disziplin entstanden und viele “Wissensmanager” haben sich mit der Frage befasst, wie man internes Wissen externalisieren kann. Aber so richtig erfolgreich waren alle Versuche, das Wissen in Datenbanken, Dokumenten, Expertenverzeichnissen, Wissenslandkarten usw. zu erfassen, nicht. Nur ein kleiner Teil des verfügbaren Wissens konnte damit abgerufen und genutzt werden. Allenfalls die Schaffung von Kompetenzzentren für die Experten hat in den Unternehmen in einem bestimmten Umfang funktioniert, wobei die Chance, in solchen Expertenorganisationen mitzuwirken, auf einen kleinen Personenkreis beschränkt war. Die große Fülle an Wissen steckt nach wie vor in den Köpfen der Mitarbeiter, und das hat auch noch den großen Vorteil, dass sich dort das Wissens- und Erfahrungspotential durch die tägliche Arbeit und die Kreativität der Menschen aktualisiert und weiterentwickelt.

In einem Enterprise 2.0 wird ein anderer Weg gegangen. Die Vernetzung der Menschen wird als Voraussetzung verstanden, um gemeinsam, auch in zufälligen Konstellationen, Problemstellungen bearbeiten und Herausforderungen lösen zu können. In einem wirtschaftlichen Umfeld, in dem immer mehr Routinearbeiten auf technische Systeme verlagert werden, bekommt die Wissensarbeit eine immer größere Bedeutung für die Unternehmen. Nach einer AIIM-Studie [1] sehen 75 Prozent der Unternehmen daher auch die bessere Nutzung des vorhandenen Wissens als einen wichtigen Treiber für Enterprise 2.0 an. An zweiter Stelle folgt dann die Verbesserung der Zusammenarbeit mit 69 Prozent.

Im Jahr 1995 beschrieb Dostal [2] die Auswirkungen des technologischen Wandels seit Beginn der Industrialisierung. Der Trend der Verlagerung von Arbeitsplätzen vom Industrie- in den Dienstleistungssektor und Informationssektor wurde deutlich erkennbar.

Dostal Sektorenmodell

Schaubild: Die Entwicklung des Informationsbereichs 1882 – 2010 [3]

Das Beratungsunternehmen McKinsey [4] unterscheidet drei Kategorien von Arbeitsplätzen, wobei die Arbeitsplätze im Informationssektor noch in transaktionale und interaktive Tätigkeiten unterschieden werden. Die interaktiven Tätigkeiten beschreiben dabei die Wissensarbeit:

  • In der Industriekultur dominierten transformationale Tätigkeiten, wie sie für Werksarbeiter in der Produktion typisch sind. Diese sind gekennzeichnet durch die starre Einteilung in standardisierte Arbeitsabläufe. Mitarbeiter gewinnen Rohmaterialen (z.B. Arbeit in Bergwerken) und wandeln diese in Endprodukte (z.B. Arbeit an Produktionslinien) um.
  • Transaktionale Tätigkeiten werden von Büro- und Sachbearbeitern durchgeführt. In der Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft sind dies Tätigkeiten, die zu Beginn von qualifizierten Arbeitskräften ausgeführt werden. Es sind aber häufig routinisierbare Aufgaben, d.h. sie können formal beschrieben und durch digitale Prozesse dann automatisiert werden. Häufig werden solche Aufgaben auch in Niedriglohnländer ausgelagert.
  • Die dritte Kategorie umfasst interaktive Tätigkeiten. Diese umfassen Aufgaben, die eine zwischenmenschliche Kommunikation mit Kollegen, Kunden und Wertschöpfungspartnern voraussetzen. Gegenseitige fachliche Unterstützung und Kollaboration sind Kennzeichen einer Wissensgesellschaft. Die Wissensarbeiter müssen ihr Erfahrungswissen, ihr Urteilsvermögen und ihre Einschätzungen nutzen, um komplexe Entscheidungen zu treffen und mit Unvorhersehbarem umzugehen.

Wenn man die Entstehung von neuen Arbeitsplätzen betrachtet, dann geschieht diese heute vor allem im Bereich der Wissensarbeit. Sowohl in den Industrienationen als auch in den sich entwickelnden Ländern haben interaktive Tätigkeiten eine hohe Bedeutung erlangt.

Knowledge intensive work

Schaubild: Anteil der interaktiven Tätigkeiten in verschiedenen Ländern [5]

Dieser Trend ist stark ausgeprägt, nach Einschätzungen des CEB sind heute bereits über 80% aller Mitarbeiter zumindest teilweise mit Aufgaben befasst, die analytisches Denken und Urteilsvermögen erfordern und selbst in produzierenden Unternehmen findet man mehr als 50% der Mitarbeiter, die Aufgaben als Wissenarbeiter erfüllen.

Angesichts der in der Vergangenheit wenig erfolgreichen Bemühungen, durch den Einsatz von IT das Wissensmanagement in den Unternehmen zu einem Wertschöpfungsfaktor zu machen, sowie der nachweisbar zunehmenden Bedeutung von wissensintensiver Arbeit für den zukünftigen Erfolg von Unternehmen, bietet der Enterprise 2.0 Ansatz neue Chancen der Effektivitäts- und Effizienzsteigerung von Wissensarbeitern. Dazu mehr an Ergebnissen aus unserer Metastudie im nächsten Post.

Quellen:

[1] AIIM (Hrsg., 2009), Collaboration and Enterprise 2.0 – Work-meets-play or the future of business?, S. 10. Online: www.aiim.org/PDFDocuments/36789.pdf 

[2] Dostal, W. (1995), Die Informatisierung der Arbeitswelt – Multimedia, offene Arbeitsformen und Telearbeit, in: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 28. Jg./1995, S. 527 – 543

[3] Dostal, W. (1995), Die Informatisierung der Arbeitswelt – Multimedia, offene Arbeitsformen und Telearbeit, in: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 28. Jg./1995, S. 529

[4] Johnson, B.C., J.M. Manyika und L.A. Lee (2005), The next revolution in interactions, in: McKinsey Quarterly 2005. Online: http://www.mckinsey.com/insights/organization/the_next_revolution_in_interactions

[5] Lund, S., J. Manyika und S. Ramaswamy (2012), Preparing for a new era of work, in: McKinsey Quarterly 2012, S. 2. Online: http://www.mckinsey.com/insights/organization/preparing_for_a_new_era_of_work

 

Bildnachweis – Bild oben: © Jurgen Appelo, Creative Commons 3.0 by http://www.management30.com/