Was man tun muss, damit Corporate MOOCs nicht scheitern!

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Lessons Learned vom Corporate Learning 2025 MOOCathon

[Hinweis: Dieser Beitrag ist auch auf dem Blog der Corporate Learning Community veröffentlicht worden]

Gestern war ich eingeladen, auf dem 18. Know How! Bildungskongress den Corporate Learning 2025 MOOCathon vorzustellen. Auf die Frage, wer von den Teilnehmenden am Bildungskongress am MOOCathon teilgenommen hat, kam aus dem Publikum eine zögerliche Resonanz. Ein, zwei Hände gingen hoch, dann aber gleich verbunden mit dem Hinweis: “Ich hatte mich zwar angemeldet, aber dann doch keine Zeit zur Teilnahme gefunden”. Was wiederum sofort zur Reaktion aus dem Publikum führte: “Das ist bei MOOCs halt so”. Und man hat deutlich herausgehört, das sich damit MOOCs als Vorgehensweise im Corporate Learning eigentlich schon disqualifiziert haben.

Mein Beitrag war für den späten Nachmittag angesetzt und daher hatte ich vorher in den Pausen die Möglichkeit, mit einigen Teilnehmern zu sprechen. Auch hier gab es durchaus kritische Meinungen zu den Potentialen von MOOCs für Corporate Learning. Beispielsweise wurde mehrfach geschildert, dass im eigenen Unternehmen schon mal ein MOOC organisiert wurde, man aber selbst darüber keinen Zugang gefunden hat. Die Erfahrungen waren immer ähnlich: die Themen für den MOOC wurden vom Top-Management auf Basis der aktuellen strategischen Herausforderungen vorgegeben, mit großem Aufwand und vielen externen Experten produziert, aber nach ein-, zweimal reinschauen hätte man doch den konkreten Bezug zum eigenen Arbeitsalltag vermisst.

Gute Startbedingungen für einen Erfahrungsbericht zum Corporate Learning 2025 MOOCathon, oder? Da muss wohl noch Überzeugungsarbeit geleistet werden. Zumindest hatte ich eine Menge an Charts mit Erklärungen und Fakten dabei:

Die kritischen Anmerkungen im Hinblick auf Corporate MOOCs haben mich zum Nachdenken angeregt. Was kann man vom Corporate Learning 2025 MOOcathon lernen? Was muss man tun, damit Corporate MOOCs nicht scheitern?

MOOC vs. MOOCathon: Das gemeinsame Ergebnis macht den Unterschied

Eine wichtige Lesson Learned vom Corporate Learning 2.0 MOOC aus dem Jahr 2015 war, dass die Teilnehmer am Ende eine Menge an spannenden Inhalten, viele wertvolle Diskussionsbeiträge und sicher auch gute Erkenntnisse hatten, aber kein gemeinsames Ergebnis vorhanden war!

So gesehen ist die Kombination aus MOOC und Hackathon vielleicht sogar tatsächlich eine neue Methode. Mehr dazu kann man im Blogbeitrag von Werner Sauter “MOOCathon – ein spannende Methode für Veränderungsprozesse im Corporate Learning” nachlesen. Der Anspruch, gemeinsam etwas Nützliches und Kreatives zu erstellen, ist ein wichtiger Akzeptanz- und Motivationsfaktor.

Konkreter Bezug zur Arbeitswelt der Teilnehmer

Der Erfolg eines Lernevents hängt davon ab, ob es gelingt, eine hohe Relevanz für den eigenen Arbeitsalltag zu erreichen. Man kann aber auch noch einen Schritt weitergehen. Die Fakten und Daten vom Corporate Learning 2025 MOOCathon verdeutlichen, das dieser Ansatz durchaus ein attraktives Format für organisatorisches Lernen und offene Change Management-Prozesse ist. Hierzu einige Lessons Learned vom #cl2025 MOOC:

  • Die konkreten Inhalte wurden nicht Top-down vom Kernteam vorgegeben, sondern von den einzelnen gastgebenden Unternehmen eingebracht. Die Inhalte des #cl2025 entstanden sozusagen aus der Mitte der Teilnehmenden.
  • Der #cl2025 MOOC lebte stark von den Beiträgen aller Teilnehmenden. Die Teilnehmenden erarbeiten aktiv und gemeinsam Wissen. Dies erfordert eine Art „Community Manager”, welche die Teilnehmenden dazu anregt, Themen gemeinsam zu diskutieren und Probleme in Zusammenarbeit mit anderen zu lösen.
  • Die Barrieren zum Mitmachen waren niedrig. Da es beispielsweise keine aufwendig produzierten Videos gab, musste auch niemand Scheu haben, ein selbst gedrehtes Smartphone-Video mit den anderen Teilnehmenden zu teilen.
  • Der #cl2025 MOOC war immer offen für Exploratives und Unvorhergesehenes. Das ist etwas, was sich im Unternehmenskontext eine Herausforderung darstellt. Traut man sich das in den Unternehmen?

Zusammengefasst sind das sind wesentliche Voraussetzungen (welche man nicht ernst genug nehmen kann), um Lösungen Schritt für Schritt aus der Praxis heraus zu entwickeln und darüber einen konkreten Bezug zu den Herausforderungen in Arbeitswelt der Teilnehmenden zu erreichen.

Auf das Lernevent angepasste Didaktik

Karlheinz Pape schreibt in seinem Rückblick auf den Corporate Learning 2025 MOOCathon als Lernevent:

“Es gab nur ganz wenige Regeln (Start am Montag, Abschluss-Session live am Freitag), und sonst kein didaktisches Konzept für die Gestaltung des Lernprozesses. Ohne Lernziele ist das ja auch nicht möglich.”

Ganz so radikal, dass es kein didaktisches Konzept gab würde ich es nicht sagen. Im Gegenteil! Natürlich waren die Lernziele, die Zielgruppen und ihr Bedarf und die Verwendungssituation zu Beginn für das Kernteam unklar. Damit fehlen traditionell wichtige Elemente für ein didaktisches Konzept. Aber schon bei den Inhalten ändert sich das. Nur dass hier die Unternehmen, ggf. in Zusammenarbeit mit ihren Paten, die Aufgabe der Entwicklung einer didaktischen Vorgehensweise übernommen hatten. Und nachdem alle Teilnehmer von den gastgebenden Unternehmen L&D-Professionals waren, kann man in den einzelnen Wochen durchaus ein didaktisches Konzept erkennen. Sicher kein homogenes Konzept, aber gerade die Vielfalt hat Spaß gemacht. Und spätestens bei den Medien, den Lernorten, den Methoden und der Organisation gibt es eine Menge an Hinweisen auf ein didaktisches Konzept. Vielleicht hat mal ein Student aus dem Bereich der Bildungsforschung im Rahmen seiner Masterarbeit Interesse, anhand des #cl2025-MOOCathons das didaktische Konzept zu “rekonstruieren”. Ich denke, das würde sich lohnen!

Agiles Lernen Realität werden lassen

War der #cl2025-MOOCathon ein Erfolg? Dazu gibt es einige Fakten, die man heranziehen kann. Beispielsweise der Verlauf der Anzahl der Kommentare über die 10 Wochen, die auf einen lebendigen “Puls” hinweisen. Oder die Anzahl der Zugriffe auf die Inhaltsseiten und die YouTube-Videos, welche nicht der bekannten statistischen Überlebenskurve von MOOCs folgen. Oder auch, dass am Ende tatsächlich die vielen Inputs und Diskussionen gemeinsam in einem Wikibook dokumentiert waren.

Am spannendsten finde ich aber, dass agiles Lernen tatsächlich Realität geworden ist. Agil bedeutet Selbstorganisation als Prinzip, nutzergenerierte Inhalte und hierarchiefreies Arbeiten im Netzwerk. Das setzt voraus, dass sich die Teilnehmer eigenständig in Lern- und Arbeitsgruppen treffen können. Mit der Gründung des Netzwerks #cl2025 auf Basis von Yammer hat eine Gruppe der Teilnehmenden genau das gemacht und so agiles Lernen zur Realität werden lassen. Für Corporate MOOCs wäre ein Erfolgsmaßstab, wie viele Teilnehmer nach dem MOOC noch in Lern- und Arbeitsgruppen weiterlernen und -arbeiten, ohne dass sie dazu jemand aufgefordert hat.

Im zweiten Teil des Kongressbeitrags habe ich versucht, konkrete Schritte auf dem Weg zur Vision “Corporate Learning 2025” abzuleiten. Dazu mehr in meinem nächsten Blogbeitrag.

 

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