Reverse Mentoring: Fragen und Antworten Teil 2

Von:

Lesezeichen | | |

anders lernenWeiter geht es mit dem zweiten Teil meines Rückblicks auf die Reverse Mentoring Session auf dem #clc14:

Entsteht durch das Bloggen bzw. andere neue Kommunikationstools nicht einfach nur eine Verlagerung weg von der E-Mail, während der Umfang der relevanten Informationen, mit denen man täglich konfrontiert wird, derselbe bleibt?

Gerade von den Möglichkeiten und Chancen, mit Mitarbeitern direkt über einen persönlichen Blog zu kommunizieren, sind viele Führungskräfte, nachdem sie damit Erfahrung sammeln konnten, begeistert. “Ich bekomme ein unmittelbares Feedback”, “Eignet sich, um ein Meinungsbild einzuholen” oder “Ich erreiche direkt sehr viel mehr Mitarbeiter als bisher” sind beispielhafte Statements von Führungskräften. Diese zeigen, dass man mit einem persönlichen Blog durchaus andere Zielsetzungen verfolgen sollte und Effekte erreichen kann als mit E-Mail. So gesehen kann der Blog einer Führungskraft keine Substitution von E-Mails erreichen. Aber Kommentare zu Blogbeiträgen haben eine andere Relevanz im Vergleich zur E-Mail, dadurch, dass sie von allen gesehen werden.

Sind die Führungskräfte auch aus persönlichen Gründen, bspw. aufgrund ihrer Kinder, an den neuen digitalen Technologien interessiert?

Eindeutig ja! Viele Führungskräfte sind auch Eltern und daran interessiert zu erfahren, wie sie ihre Kinder vor den Risiken und Gefahren bei Social Media schützen können. Es ist daher durchaus nicht ungewöhnlich, dass Führungskräfte sich mal mit ihrem Mentor die Privacy-Einstellungen bei Facebook anschauen. Manche Führungskräfte berichten, dass die eigenen Kinder zuhause plötzlich ganz erstaunt sind, warum sich die Eltern auf einmal mit ihnen über Facebook unterhalten wollen. Viele Jugendliche lehnen dann aber die “Freundschaftsanfragen” ihrer Eltern ab.

Gibt es bereits erste ROI Ergebnisse der Reverse Mentoring Maßnahmen?

Eine ganz zentrale Rückmeldung von Führungskräften ist, dass es für sie keine Alternative zum Reverse Mentoring gibt. In klassischen Qualifizierungsveranstaltungen würden sich viele Führungskräfte den eigenen Aussagen nach nicht trauen, bestimmte Fragen zu stellen. Man ist ja Führungskraft und will sich keine Blöße vor Kollegen oder gar Mitarbeitern geben. Ein zweiter Faktor, der bei einer formalen ROI-Betrachtung berücksichtigt werden muss, ist die zeitliche Flexibilität. Im Alltag der Führungskräfte kommen immer wieder andere Themen rein, die kurzfristig höher priorisiert werden müssen. Mit einem Mentor kann man einen neuen Termin vereinbaren, den Termin verschieben oder auch mal über Mittag zwei Stunden zusammensitzen. Den Termin für eine Qualifizierungsveranstaltung müsste man im Gegensatz dazu ganz absagen.

Legt man die Kosten für Reverse Mentoring auf die einzelne Führungskraft um, dann liegt man bei einem Betrag, der sich für diese Zielgruppe durchaus in einem akzeptablen Rahmen bewegt und vergleichbar ist mit einem Konferenzbesuch. Gleichzeitig kann das Programm wie beschrieben viel konsequenter ausgenutzt werden. Dies führt zu durchweg positiven Rückmeldungen im Hinblick auf eine sinnvoll investierte Zeit und die Weiterempfehlung des Programms.

Gibt es auch kritische Stimmen bzw. Rückmeldungen zu Reverse Mentoring?

Nein! Natürlich muss man eine bestimmte Offenheit und Lernbereitschaft bei den Führungskräften voraussetzen. Wenn eine Führungskraft nach einigen Runden denkt, dass sie das Thema umfassend verstanden hat, dann kann sie mit der Mentorin oder dem Mentor einen Abschluss vereinbaren. Das kommt aber erfahrungsgemäß in sehr wenigen Fällen vor, unter 5% würde ich einschätzen. Eine Führungskraft ist in der Regel in der Lage, die eigenen Prioritäten sinnvoll zu setzen. Eher stellt sich die Frage, wie der Kontakt weitergeführt werden kann, ob und wie die Mentorin oder der Mentor weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung stehen können.

Kann Reverse Mentoring auch für andere Themen abseits des digitalen Wandels eingesetzt werden?

Ja, immer, wenn es um den Austausch zwischen Generationen im Unternehen geht. Ein gutes Beispiel ist das Thema “Diversity” in allen Ausprägungen. Auch “Arbeitsethik” und “Work Life Balance” sind mögliche Themen. Generell bietet Reverse Mentoring jungen Mitarbeitern eine Chance, sich frühzeitig mit ihren Erfahrungen, ihrem Wissen, aber auch ihrer Sicht auf die Welt zu positionieren. Die Chance, die Welt der Führungskräfte kennenzulernen, ist zudem für viele reizvoll. Die eine oder andere Führungskarriere wird sicher so starten. Damit kann ein Unternehmen sich mit einem gelungenen Attraktivitätsmerkmal als Arbeitgeber für engagierte junge Mitarbeiter interessant machen.

Danke an alle, die an der gemeinsamen Session teilgenommen haben. Ich freue mich über Kommentare oder eine vertiefende Diskussion.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier: Reverse Mentoring: Neue Spielregeln, bewährte Prinzipien

 

Bildnachweis: http://www.flickr.com/photos/laughingsquid/111030566

Print Friendly and PDF