Communitys und die Arbeitsorganisation

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NetzwerkSchaut man auf die aktuellen Themen der Veranstaltungen zu Enterprise 2.0 und Social Business fällt auf, dass wir in eine neue Phase kommen. Nach Diskussionen um Enterprise Social Netzwerke und Intranet, Best Practices, Treiber, Herausforderungen, Einführungs- und Kommunikationsstrategien, Enabling und ähnliche Themen kommen wir jetzt zu den Schlüsselthemen für eine nachhaltige Transformation, zu organisatorischen Maßnahmen oder zur Organisationsentwicklung mit Fragestellungen:

  • Wie sieht eine digitale Arbeitsorganisation aus?
  • Was sind darin die Arbeitsprinzipien und -prozesse?
  • Was sind die Werkzeuge und Managementmethoden im Social Business?

Hier lassen sich die Unternehmen nicht so gerne in die Karten schauen oder ich vermute eher, sie haben auch noch nicht allzuviel vorzuweisen. Viele reden über Adoption und meinen damit Maßnahmen zur Einführung und Initialisierung von Social Business, sind aber noch weit entfernt von einer organisatorischen Transformation.

Wenn es um Anpassungsmechanismen für Organisationen im Zeitalter von beschleunigten Innovationsprozessen geht, kommt man an einer Person kaum vorbei. John Paul Kotter, Harvard Professor für Management, hat für eine erfolgreiche Organisationsentwicklung klare Worte. Danach verfügt seine Duale Organisation am besten über die notwendigen Strukturen und Werkzeuge, um sich in agilen Märkten – exponentielles Wachstum, hohe Geschwindigkeit und Vielzahl von Veränderungen – zu behaupten, d.h. es sind beide Organisationsformen Hierarchie und Netzwerk notwendig, um einerseits effizient andererseits aber auch agil arbeiten zu können.

 

Was bedeutet das nun für Communitys?

Communitys spielen in der dualen Organisation eine wichtige Rolle. Warum? Sie sind in der Lage, beide Formen der Organisation zu unterstützen und dort Mehrwerte zu schaffen.

Communitys können den Elefanten zum Tanzen bringen

Wir lieben Hierarchien, weil sie uns Sicherheit, Verlässlichkeit, Wiederholbarkeit, klare Vorgaben und Methoden, hohe Qualitätsstandards und geringe Fehlerquoten liefern. Getrieben von KPIs und Prozessen sind sie hocheffizient aber sie killen Innovationen. Eine Community kann die Hierarchie dazu bewegen, was Lou Gerstner einmal die Fähigkeit “To Make Elephants Dance” genannt hat.

Communitys in der Hierarchie ergänzen sowohl standardisierte, wiederholbare Prozesse z.B. im Einkauf, im Controlling oder bei der Auftragsabwicklung ebenso wie einmalige Aufgabenstellungen in einer Projektorganisation. Communitys

  • beziehen Expertise aus den Geschäftsbereichen, von außerhalb oder von Kunden mit ein.
  • schaffen Kooperations- und Kommunikationsplattformen, um Unvorhergesehenes und Problematisches effizienter und zum Wohle vieler zu lösen.
  • ermöglichen Aufgaben mit hohem Koordinations- und Abstimmungsbedarf schneller zu bearbeiten.
  • bringen auf jeder Ebene und in jedes Team unkompliziert neues Wissen und Erfahrungen ein.
  • übernehmen konkrete Problemstellungen im Auftrag des Managements.
  • schaffen Räume für gemeinsame Interessen, auch wenn man nicht zusammenarbeitet.
  • ermöglichen die Zusammenarbeit an einem gemeinsamen Prozess, auch wenn man unterschiedliche Ziele verfolgt.

Communitys können Startups in Unternehmen schaffen

Bildlich gesprochen nimmt eine Community ihr menschliches Netzwerk und überführt es in eine Netzwerkorganisation, die den Spirit eines kleinen Unternehmens entwickelt und völlig neue Dinge schafft und damit Entrepreneurship im Unternehmen, parallel zur Hierarchie, möglich macht. Kotter nennt es auch die “Innovation Execution Machine”, nämlich eine Idee zügig am Markt umzusetzen, was in einer Hierarchie so nicht gelingen kann. Hierfür benötigt es ein anderes Arbeitsmodell: das Netzwerk.

Was steckt hinter dem Arbeitsmodell Netzwerkorganisation?

Es entsteht wie ein Startup, das eine Idee aufgreift und mit einem völlig neuen Geschäftsmodell durchführt bis zur Realisierung am Markt. Alle Beteiligten ziehen gewissermaßen an einem Strang, das Ziel vor Augen übernehmen sie Aufgaben, von denen sie zuvor noch nicht gewusst haben, dass es sie gibt. Der Teamspirit setzt Kräfte frei und lässt Menschen in ihren Leistungen über sich hinauswachsen. Es funktionieren die Prinzipien des Entrepreneurships. In der Connected Company von Dave Gray und Thomas Vander Wal nennt man diese Netzwerke auch Podular Organisation. In diesen Pods wird die Arbeit modularisiert, keine Arbeitsteilung nach Taylor oder REFA-Prinzipien, wo die gesamte Kette zusammenbricht, wenn das schwächste Glied bricht. Die Verteilung der Last liegt auf dem Netzwerk, das sich stützt, wenn mal jemand ausfällt. Die Prinzipien heißen:

  • Selbstorganisation und dezentrale Teams
  • wenig Routine, „Exception Handling“ wird die Regel
  • agile Projektstrukturen, wechselnde Rollen und Mitglieder
  • Mitarbeiter agieren wie Freelancer
  • Transparenz, Vernetzung und Kollaboration
  • Veränderte Rolle von Lernen und Arbeiten

Diese beiden Arbeitsmodelle mit völlig unterschiedlichen Geschäftsmodellen passen nicht so richtig unter einen Hut. Diese Dualität hinzubekommen wird insbesondere für große Unternehmen die größte Herausforderung sein.

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