Sehr viele Unternehmen haben noch gar nicht mit Social Business gestartet

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Das Interview mit Joachim Niemeier führte Frank Hamm. Es wurde im Orginal als Pre-Conference Interview bei der Social Business Arena der CeBIT veröffentlicht.

Wo stehen wir beim Thema „Social Collaboration/Business“ in Deutschland?

So vielfältig die Unternehmen sind, so unterschiedlich ist der Stand zum Thema „Social Collaboration/Business“ in den Unternehmen. Es gibt Unternehmen, bei denen das Projekt nach einer mehrjährigen Laufzeit heute offiziell abgeschlossen ist, so dass auch kein eigenes Budget mehr zur Verfügung steht. Gleichzeitig beginnt man in diesen Unternehmen zu erkennen, dass der Transformationsprozess erst ganz am Anfang steht und eine Menge an Fragen noch ungeklärt sind. Andere Unternehmen, die bereits früh mit dem Thema gestartet waren, haben sich mittlerweile Klarheit darüber geschaffen, dass dieses Thema in eine längerfristige Strategie der Organisations- und Personalentwicklung eingebunden werden muss. Diese Unternehmen sind dabei, mit neuen Impulsen das Thema wieder anzuschieben und voranzubringen. Dann gibt es Unternehmen, in denen bislang die Chance bestand, mit entsprechendem Budget und in großem Umfang mit dem Thema zu experimentieren. Diese Unternehmen kommen jetzt in eine Phase, in der es gilt, den geschäftlichen Mehrwert von „Social Collaboration/Business“ nicht nur zu demonstrieren, sondern vor allem zu realisieren.

Alle diese Unternehmen haben erkannt, dass es doch sehr viel mehr Zeit benötigt bis die Potentiale von „Social Collaboration/Business“ in der Breite im Arbeitsalltag genutzt werden können als ursprünglich gedacht. Und dann gibt es immer noch sehr viele Unternehmen, die damit noch gar nicht gestartet haben, obwohl das Thema schon längere Zeit auf dem Radar ist. Ein Unternehmensvertreter sagte mir neulich: „Ich hoffe, dass das Management uns dieses Jahr danach fragt“.

Was sind die Herausforderungen für 2014?

Die Herausforderungen möchte ich in zwei Bereichen beschreiben. Zum einen stellen sich aktuell ganz spannende technische Herausforderungen, die etwas damit zu tun haben, welche Werkzeuge die Unternehmen für den Arbeitsplatz der Zukunft bereitstellen sollten, wie diese Werkzeuge in mobilen Nutzungsszenarien eingesetzt werden können, wie diese „neuen“ Kollaborationswerkzeuge einen Mehrwert in einer existierenden IT-Landschaft schaffen können, wie die immer weiter zunehmende Informationsmenge effizient genutzt werden kann und wie Lösungen geschaffen werden können, um nicht nur innerhalb der Grenzen eines Unternehmens zusammenarbeiten zu können, sondern auch eine Vernetzung mit Kunden, Partnern und Lieferanten hinzubekommen. Das sind vor allem spannende technische Fragestellungen.

Parallel dazu stehen die Unternehmen immer mehr vor der Herausforderung, neue Arbeits- und Organisationsmodelle zu gestalten, die eine Chance bieten, die Potentiale von „Social Collaboration/Business“ umfänglich und effektiv zu nutzen. Diese Überlegungen sind die ersten Schritte auf dem Weg zur Transformation eines Unternehmens hin zu einem agilen, vernetzten Unternehmen. Es wird immer mehr deutlich, dass dieser Weg durch eine Organisations- und Personalentwicklung längerfristig begleitet werden muss.

Was sollte der Beitrag einer Social Business-Diskussion auf der CeBIT 2014 sein?

In der Vergangenheit war die Social Business-Diskussion von den „Machern“ bestimmt, von Menschen, die in den Unternehmen zutiefst von dem Thema überzeugt waren und das Glück hatten, dass sie die Freiheiten bekommen haben, es voranzubringen. Dabei wurden sehr unterschiedliche Wege gegangen, die heute als Lösungsmuster dienen können. Im Grunde hat man aufgrund dieser Erfahrungen heute eine sehr umfangreiche „Toolbox“ zur Verfügung, mit der die Einführungs- und Transformationsprozesse von „Social Collaboration/Business“ in einem Unternehmen begleitet werden können. Ein guter Beitrag der Social Business-Diskussion auf der CeBIT für mich wäre, diesen Erfahrungsschatz zugänglich zu machen und die jeweilige Eignung der verschiedenen Werkzeuge in dieser „Toolbox“ zu diskutieren.

Vielen Dank für das Interview,  Herr Niemeier!

Prof. Dr. Joachim Niemeier ist Executive Consultant bei der centrestage GmbH und Honorarprofessor an der Universität Stuttgart. Joachim Niemeier berät Unternehmen bei der Realisierung von „Social Collaboration/Business“ und begleitet diese Unternehmen auf dem Weg des digitalen Transformationsprozesses. Seine praktischen Erfahrungen sind Grundlage einer Vielzahl von Studien, Veröffentlichungen und Vorträgen zu diesem Thema. Daneben berät Joachim Niemeier IT-Dienstleister, Organisations- und Personalentwickler sowie Qualifizierungsdienstleister zu Thema Social Collaboration, Social Learning, Enterprise 2.0 und Social Business.
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