Enterprise 2.0: Ohne gute Ideen und Konzepte kommt man nicht weit

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Die Diskussionen rund um das Thema Enterprise 2.0 war in der vergangenen Woche sehr lebhaft. Den Auftakt machte Andrew McAfee mit seinem Beitrag „Surveying the Landscape“, in dem er einen Rückblick auf die dritte Enterprise 2.0-Untersuchung von McKinsey gab. Andrew McAfee fand vier Ergebnisse der Untersuchung besonders interessant:

  • der interne Einsatz prägt die aktuelle Unternehmenspraxis
  • es kommen regelmäßig mehrere Werkzeuge / Technologien zum Einsatz
  • der Nutzen ist konkret fassbar und deutlich ausgeprägt
  • die Anwendung in den Unternehmen und die dafür getätigten Investments steigen

Euan Semple brachte am Montag mit einem kurzen, aber prägnanten Beitrag „The secret to success with Enterprise 2.0 …“ Leben in die Diskussion. Für ihn ist es kein Erfolgsrezept mit der Einführung von Enterprise 2.0 zu versuchen, Veränderungsprozesse zu initiieren, existierende Prozesse zu optimieren und das Verhalten der Mitarbeiter zu ändern. Vielmehr sollte man seine Energie darauf richten, Dinge zu ermöglichen, die man bislang einfach nicht tun konnte.

Das führte natürlich sofort zur Nachfrage, was denn hinter der Forderung von Euan Semple, mit Enterprise 2.0 „das Unmögliche möglich machen“, so alles stecken könnte. Eigentlich ist die Antwort nicht so schwer. Bislang stand beim IT-Einsatz in den Unternehmen vor allem die Automation von Transaktionen und die Optimierung von Geschäftsprozessen im Mittelpunkt. Bei Enterprise 2.0 geht es nun vor allem um Kollaboration und Partizipation. Ziel einer erfolgreichen Einführung muss es daher sein, bisher nicht vorhandene Verbindungen im Unternehmen, aber auch mit Kunden und Partnern zu ermöglichen, um „unwahrscheinliche Kommunikation wahrscheinlich“ zu machen und einzelnen Akteuren ein Stimme zu geben.

Die Diskussion kommt dann immer sehr schnell auf die Frage nach dem ROI. Elliot Roos weist in seinem Kommentar zum Beitrag von Andrew McAfee darauf hin, dass bei einem externen Einsatz von Enterprise 2.0, also z.B.

  • zur Stärkung der Marke,
  • der Erfassung der Diskussion rund um die Marke oder
  • zur Erhöhung der Reichweite des Marketing, des Services, der Kundenkommunikation

der Nutzen mit den vorhandenen Metriken erfasst werden kann. Für den internen Einsatz stellt Elliot Roos die Frage nach Metriken, die

  • Effekte wie die Entfernung von Barrieren bei der internen Kommunikation und Kollaboration,
  • Verbesserungen der informalen Kommunikationswege und -methoden und
  • Chancen eines ad-hoc möglichen Austausches von Ideen

erfassen.

Ein Videochat mit Kjetil Kristensen vertiefte dieses Thema unter der Überschrift „Collaborative Performance“. Kjetil Kristensen sieht die Effektivität als das zentrale Argument. Er bezieht sich dabei auf Themen wie beispielsweise

  • die Zusammenstellung eines Teams,
  • die Gesamtsicht auf Objekte, Inhalte und Veränderungen,
  • die Wissensgenerierung und
  • das Management von Veränderungen,

die durch soziale Software effektiver möglich werden.

Die Messung des Nutzens wird auch von Bob Violino in seinem Beitrag „Collaboration tools can show ROI“ diskutiert. Poul J. Hebsgaard sieht in seinem Beitrag „Enterprise 2.0 and white collar productivity improvements“ den Beginn der Verbesserung der „White Collar“ Produktivität, während die prozessorientierte IT, die in den Unternehmen seit Beginn der 90er-Jahre Einzug hält, vor allem auf eine Verbesserung der „Blue Collar“ Produktivität ausgerichtet war.

In seinem Beitrag „Enterprise 2.0 solutions require real problems“ argumentiert Dennis Stevenson, dass es besser ist, sich bei der Einführung von Enterprise 2.0 auf echte Probleme zu konzentrieren und klein anzufangen. Am Beispiel von der Einführung neuer Werkzeuge bei Softwareentwicklern konnte er feststellen, was passiert, wenn man im Verständnis der Forderung von Euan Semple bislang nicht vorhandene Verbindungen herstellt:

Ich musste die Lösung gar nicht verkaufen. Es reichte aus, einen Raum zu schaffen, der es den Mitarbeitern ermöglicht, ihre guten Ideen und Leidenschaften einzubringen.

Einen anderen Hinweis zur erfolgreichen Einführung von Enterprise 2.0 gibt Mark Fidelman in seinem Beitrag „The secret of Enterprise 2.0 implementation success“. Er argumentiert, dass man die Erwartungshaltung an Enterprise 2.0 nicht zu hoch ansiedeln darf. Im Vergleich zur Einführung von prozessorientierten IT-Lösungen, an die die meisten Mitarbeiter geringe oder keine Erwartungen hatten, versprechen Enterprise 2.0-Lösungen einen hohen Nutzen – und die Gefahr der Enttäuschung ist groß.

Dion Hinchcliffe listet in seinem Beitrag „Going beyond the hype: Identifying Enterprise 2.0 best practices“ sechs Themen auf, auf die „Best Practices“ von Enterprise 2.0 eine Antwort geben sollten:

  • Zusammenspiel von Top-Down und Bottom-Up-Bemühungen
  • Kostenreduktion
  • Risiken
  • Kontrolle
  • Vertrauen
  • Management der Community

Ob solche „Best Practices“ tatsächlich findbar und nützlich sind, hinterfragt Ross Dawson in seinem Beitrag „There is no such thing as best practice for Enterprise 2.0“. Er argumentiert, dass „Best Practices“ dann sinnvoll sind, wenn die Standardisierung von Prozessen das Ziel ist. Nicht aber, wenn es darum geht, das Kollaborationspotenzial in Organisationen zu erhöhen. Er schlägt vor, dazu eher „Lessons Learned“, „Fallstudie“, „Erfolgsfaktoren“, „nützliche Praktiken“ oder ähnliches zu sagen.

Die Diskussion zwischen Dion Hinchcliffe und Ross Dawson erinnert mich an das alte Wortspiel „Die Dinge richtig tun“ und „Die richtigen Dinge tun“. Eben die Frage nach der Effektivität, die nicht durch eine reine Input-Output-Betrachtung zu beantworten ist. „Ohne gute Ideen und Konzepte kommt man mit Enterprise 2.0 nicht weit“! – damit könnte man aus meiner Sicht die Ergebnisse des Wochenrückblicks auf die einfache Formel bringen.

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