Lernen im Web 2.0: Aus- und Weiterbildung der Zukunft

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Der FBD Bildungspark feierte heute das 100-jährige Jubiläum der Handelsschule C.G. Zimmermann GmbH. Ich wurde dazu eingeladen, im Rahmen der Festveranstaltung einen Ausblick auf die Zukunft der Aus- und Weiterbildung im Web 2.0 zu geben. Aber wie vermittelt man das Thema dem erwarteten Teilnehmerkreis in 20 Minuten?

Sir Ken Robinson hat in seinem faszinierenden Vortrag “Learning to be creative” erwähnt, dass sich Menschen aus dem Bildungsbereich schwer tun, bei anderen Eindruck zu machen. Man wird möglicherweise akzeptiert, aber als Gesprächspartner sucht man sich dann interessantere Menschen. Gibt das Thema wirklich nichts her? Ich wollte erstmal beweisen, dass Bildung auch jenseits der offiziellen Bildungsberichte ein spannendes und attraktives Thema ist.

Drei Signale fand ich dazu:

EduCamps

Junge Menschen treffen sich freiwillig und auf eigene Kosten am Wochenende, um in einer offenen, partizipativen Umgebung über das Thema Bildung zu sprechen. Das erste BarCamp in der Ausprägung eines EduCamps fand im April 2008 statt.

Edupunk

Edupunk ist eine relativ junge Bewegung. Im Mai 2008 hat Jim Groom diesen Begriff in der Welt gesetzt und er wurde von einigen E-Learning-Akteuren begeistert aufgenommen. Der Edupunker – jung, wild und schlau – sucht sich sein Wissen in der Do-It-Yourself-Mentalität selbst zusammen und nutzt dazu die unterschiedlichsten Technologien und Features, kommerzielle Tools lehnt er ab (das Thema Edupunk und die Folgen für persönliche Lernumgebungen (PLEs) wurden gerade im aktuellen Online Round Table von Martin Ebner und Steve Wheeler diskutiert).

Bildung-Hacker

Im November 2008 trafen sich Finanzinvestoren und Vordenker aus dem E-Learning-Bereich, um zu überlegen, wie man in der Tradition der Hacker das geschlossene System Bildung mit kleinen, möglichst einfachen Ansätzen spielerisch umfunktionieren, kreativ verändern und öffnen kann. Die Bildung-Hacker stehen in der Tradition der Open Source und Open Content-Ansätze. Ein deutschsprachiges Gegenstück zu dieser “Hacking Education”-Tagung soll im Herbst stattfinden (die zwar als selbstorganisierendes Konferenz-Projekt angekündigt, aber ohne das Engagement von Martin Lindner nicht denkbar ist).

Es gibt also genügend Signale, um zu belegen, dass das Thema attraktiv und Schwung vorhanden ist. Im zweiten Teil bin ich dann auf ein paar wenige persönliche Erfahrungen eingegangen, um dann im dritten Teil kurz zu skizzieren, wie sich die Technologien, die Inhalte, die Methoden und die Lernenden verändern. Bleibt zum Schluss noch der Hinweis, dass die Schaffung neuer Lernwelten ein komplexer Wandlungs- und Anpassungsprozess ist. Dazu müssen Werkzeuge für das Lernen auf Basis der neuen Generation von Webumgebungen bereitgestellt, mit neuen (pädagogischen) Methoden experimentiert und die Beteiligten aus der Konsumentenhaltung herausgeholt werden.

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Vor hundert Jahren waren die gut funktionierenden Schreibmaschinen, auf denen aber zu wenige Menschen schreiben konnten, der Startpunkt für die Handelsschule C.G. Zimmermann GmbH. Jetzt haben wir die gut funktionierenden Web 2.0-Technologien, mit denen aber noch viel zu wenige Menschen lernen können.

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  • Ich denke, dass man nicht pauschal sagen kann, dass Menschen die mit Bildung ihr Geld verdienen generell uninteressant sind. Ein Fußballtrainer bildet quasi ja auch, wenn auch nicht im herkömmlichen Sinne. Und ein Universitätsprofessor zieht die Aufmerksamkeit doch auch schnell auf sich, ganz gleich was er unterrichtet. Ich denke, dass unter dem Imageschaden vor allem all jene Lehrer zu leiden haben, die normale Schüler unterrichten. Die meisten Menschen sind irgendwann ja mal zur Schule gegangen und denken deshaalb den Beruf des Lehrers zu kennen, der bewusst oder unterbewusst von den meisten als Kindqälerei angesehen wird. Schade ist das allemal, da man wirklich viel mit Bildung machen kann. In den USA wird beispielsweise ganz anders unterrichtet als Hierzulande. Und das zuweilen auch besser, weil die Lehrer dort einfach kreativer sind. Aber das wird dort eben auch anerkannt, wenn auch nicht geldlich..

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