Enterprise 2.0 und SOA

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Wieder gab es spannende Diskussionen um das Thema SOA auf dem vwi CeBIT-Seminar zur Optimierung von ICT Infrastrukturen mit SOA und Enterprise 2.0 in Fallingbostel vom 7.-8. März 2008. Nach wie vor gibt es keine einheitliche Definition von SOA, was dann auch immer wieder zur Verwirrung geführt hat. Letztlich stimmte die Aussage von Frau Strick vom Fraunhofer Fokus: „Fragt man drei Anbieter nach SOA bekommt man fünf verschiedene Antworten darauf.“

Da ist mir das Thema Enterprise 2.0 schon lieber, zu dem ich dort berichten durfte:

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Nichts desto trotz habe auch ich so eine Vorstellungswelt von SOA, wenn auch nur eine sehr einfache aus der Anwendersicht gestrickt.

Was ich beim Thema Geschäftsprozessmanagement sofort verstanden habe, da GPM ja wettbewerbsrelevant ist, muss es hier unterschiedliche Konzepte und Vorgehensmodelle geben, ist für eine Architektur nicht so einfach nachvollziehbar. Vielleicht hat man hier auch nur den Begriff falsch gewählt. Sicher geht es auch bei SOA eher um eine Strategie, denn um die Realisierung einer technischen Infrastruktur.

Die Theorie von SOA klingt ja sehr plausibel und sinnvoll, zumindest aus meiner Sicht eines Nicht-Technikers bzw. nur technisch-orientierten BWLers:

Die teilweise Jahrzehnte alten IT-Silos aufbrechen, die erforderlichen Daten und Regeln in eine eigene Anwendung bringen und diese als Service zur Verfügung stellen. Damit könnten dann alle Geschäftsprozesse unterstützt werden, die diesen Service benötigen. Gleichzeitig könnte man den Service auch outsourcen oder per SaaS mieten und Kosten sparen, zumindest für nicht wettbewerbsrelevante Anwendungen.

Wie stelle ich mir das vor?

Zum Beispiel werden alle Finanzdaten und Abrechnungen für Transaktionen mit Italien in einem Service Finanzwesen-Italien zusammengefasst und nicht nur einem sondern allen Unternehmen, die im Geschäft mit Italien sind, angeboten. Somit kann der italienische Teil aus dem Unternehmens-eigenen Finanzwesen herausgenommen und muss nicht mehr betreut werden. Alle Bereiche, die mit Italien zu tun haben, nutzen dann diesen Service. Macht Sinn aus Sicht des Unternehmens. Es muss sich technisch nicht mehr an vielen Stellen mit dem komplizierten Steuerrecht Italiens auseinandersetzen und hat immer den neuesten Stand per Service, wenn dieser outgesourct ist.

In meiner Welt des Web 2.0 würde ich dazu sagen:

Man mashed Anwendungen mit Daten zu einem Widget (Webservice). Dieses Widget lässt sich dann in beliebige Systeme egal ob Hard- oder Software einbinden beispielsweise im Blog, im Wiki, auf der Homepage, im Shop, auf dem Desktop oder Handy, wo es gebraucht wird und holt sich immer die aktuellsten Daten von der Quelle.

So gesehen sind SOA und Web 2.0 zwei Seiten ein und derselben Medaille

Während mir aber die IT-Welt durch Web 2.0 eher einfacher zu werden scheint, wird sie durch SOA eher komplexer. Ich stelle mir vor, der italienische Service muss aufgrund von Änderungsmaßnahmen angepasst werden, es müssen Updates stattfinden oder neue Releases aufgespielt werden. Was passiert dann in den vielen Geschäftsprozessen ganz oben beim Anwender.

Ohne SOA war die Beziehung klar: eine definierte Anwendung war in einem definierten Silo auf einem definierten System.

Mit SOA? Aus Servicegesichtspunkten super: dieser wird angepasst und steht in der neuen Form wieder allen zur Verfügung. Wie sieht es aber in der Praxis aus? Ein Service hat x-Beziehungen zu x-Anwendungen in x-Systemwelten. Was passiert, wenn sich dieser Service ändert? Funktionieren dann noch die Beziehungen zu vielen Anwendungen auf unterschiedlichen Systemen? Selbst in der Web 2.0 Welt mit offenen Schnittstellen und Standards gibt’s da immer wieder Probleme.

Ich weiß schon, was jetzt kommt: das Thema SOA-Governance, aber auch das Thema Servicemanagement spielen hier eine entscheidende Rolle, womit wir bei ITIL wären.

Ein Fazit, das man auch auf dem vwi CeBIT-Seminar treffen konnte: Den IT-Managern in den Unternehmen sowie den IT-Consultants wird so schnell die Arbeit nicht ausgehen.

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