Weblogs: Vom Laienschauspiel zum partizipativen Format

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JournalismFür ein Forscherteam, das 48 Studien zum Verhältnis von Weblogs und Journalismus ausgewertet hat, ist es natürlich zunächst eine akademische Pflicht auf die mangelnde Repräsentativität vieler Befragungen, das kommerzielle Interesse einiger Erhebungen, die unterschiedlichen Erhebungskategorien und die vielen sonstigen methodischen Differenzen hinzuweisen. Aber sagt allein die Tatsache, dass 48 Studien, die in einer relativ kurzen Zeit zu dem Thema „Weblogs“ entstanden sind, nicht schon alleine viel aus? Also machen wir uns mal an die Lektüre dieser spannenden Forschungssynopse von Christoph Neuberger, Christian Nuernbergk und Melanie Rischke und suchen die wichtigsten Ergebnisse unter dem Blickwinkel von “Corporate Blogs” heraus – ohne Rücksicht auf die ausgewogene sprachliche Darstellung der Autoren im Originalbeitrag:

  • Deutschland liegt bei der Nutzung von Weblogs im Vergleich zu anderen Industrieländern deutlich zurück.
  • Lediglich 1 Prozent der Weblog-Beiträge wird in deutscher Sprache geschrieben (ähnlich viele Weblogs werden übrigens in Farsi geschrieben).
  • Bei vielen Bloggern dominiert die Selbstdarstellung, das eigene Leben und persönliche Erfahrungen, aber immer mehr wollen ihr Wissen in einem Themengebiet anderen zugänglich machen oder geben sogar berufliche Gründe für den Betrieb eines Weblogs an.
  • Blogger akzeptieren, dass sie Schwächen bei der Relevanz, der Richtigkeit und der Neutralität ihrer Informationen haben (diese Rolle sehen sie eher beim klassischen Journalismus), sehen aber ihre Stärken in Merkmalen wie Meinungsfreude, Subjektivität, Unterhaltsamkeit und Aktualität.
  • Als Publikum sehen die Blogger häufig kein anonymes und heterogenes Massenpublikum, sondern sie wollen in einer “Community” agieren.
  • Weblogleser orientieren sich eher themenspezifisch und legen Wert auf die Exklusivität und die Aktualität von Informationen.
  • Themen wie Qualitätssicherung sind für Blogger kein Fremdwort.
  • Weblogs werden zunehmend von Politik, Wirtschaft und Medien als relevant angesehen und man ist daher auch bereit, sie zu nutzen (z.B. Krisenblogs).
  • Meinungen und Kaufentscheidungen u.ä. werden von Weblogs beeinflusst.
  • Auch in der Blogosphäre existiert eine Elite (im Sinne einer “einseitigen Aufmerksamkeitshierarchie”): “A-list”-Blogger fördern sich z.B. durch Verlinkung wechselseitig.

Interessant war für mich insbesondere das Fazit auf die von Neuberger und seinem Team an Redaktionsleiter gestellte Frage, warum sie selber Weblogs lesen. Am häufigsten sind demnach Journalisten in den Weblogs auf Themensuche, oder sie suchen gerade auch bei Bloggern nach Fakten über ein aktuelles Ereignis. Weblogs sind also nicht nur Resonanzraum der Massenmedien, sondern geben auch Impulse für den Redaktionsalltag.

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