Erfolgsfaktor Web 2.0

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Es gibt drei Sichtweisen, den Trend Web 2.0 zu beschreiben:

  • Der Hype Web 2.0
  • Die Technologie Web 2.0
  • Der Erfolgsfaktor Web 2.0

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Der Hype Web 2.0

Die erste Sichtweise auf Web 2.0 geht von dem Hype aus, den der Begriff ausgelöst hat. In einer negativen Betrachtungsweise wird dabei auf die spektakulären Dotcom-Pleiten und ihre Folgen aus der Phase des ersten Internet-Hypes um die Jahrtausendwende hingeweisen. Die positive Sichtweise geht von den Geschäftsmodellen der vielen erfolgreichen Unternehmen aus, denen es gelungen ist, mit neuen Produkten und Services auf Basis des Internets unser Leben und Arbeiten nachhaltig zu verändern. Es geht dabei heute um Web 2.0-Unternehmen wie flickr, YouTube, skype, myspace, XING, WordPress u.v.a.m., deren Services sich vor allem an den Consumer-Markt richten. Sie haben Web 2.0-Technologien maßgeblich mit entwickelt und häufig entweder als Open Source oder in Form eines Services zur kostenlosen Nutzung für jeden ins Netz gestellt. Die Zunahme der Nutzerzahlen gab und gibt ihnen Recht in bezug auf die technologische Richtung. Die Folgen konnten nicht ausbleiben. Große Investment- und Venture Firmen zahlen (vermutlich) viel zu hohe Summen für die Übernahme bzw. Kauf dieser Unternehmen. Die Gegner dieser Entwicklung sehen darin einen neuen Internet-Hype und eine wieder platzende Blase und prognostizieren einen Absturz dieses Marktes ähnlich dem der New Economy.

Diese Betrachtungsweise für Web 2.0 greift etwas kurz. Sicher muss man die Erfahrungen aus den Dotcom-Pleiten ernst nehmen und es wird auch Web 2.0-Pleiten geben. Aber das sollte nicht den Blick auf die erfolgreichen Akteure dieser Branche versperren. Erstens ist nicht zu Erkennen, dass Tausende von Gründungen zur Entwicklung von Foto- und Videoplattformen mittels dreistelligen Millionenbeträgen aus Venturekapital finanziert werden, in der Hoffnung so erfolgreich wie flickr oder youtube zu werden. Zweitens ist ein weiterer Faktor dabei entscheidend: diese Web 2.0 Unternehmen haben bereits ein Netzwerk mit Millionen von Nutzern, zwar keine oder nur teilweise Zahlenden, aber sie bieten einen Markt für neue Formen des Marketing und der Kundenkommunikation, der wiederum auch für Nicht-Web 2.0 und Nicht-Dotcom Unternehmen sehr attraktiv genutzt werden kann.

Die Technologie Web 2.0

Die zweite Sichtweise auf Web 2.0 stellt die Funktionen der damit verbundenen interaktiven und sozial um sich greifenden Technologien, Tools und Plattformen in den Vordergrund. Dabei werden Einsatzfelder, Nutzen und Vorteile von Blogging, Wikis, Podcasts, Social Media und Bookmarking im Unternehmensumfeld diskutiert. Zugegebenermaßen fehlen hier noch viele Erfahrungen im Unternehmensumfeld und in den Geschäftsprozessen. Auch müssen Unternehmen den Umgang mit diesen Instrumente erst neu lernen sowie geeignete Arbeitsumgebungen schaffen, damit Web 2.0 erfolgreich genutzt werden kann. Themen in der Praxis sind immer wieder die passenden Organisationmodelle und die Unternehmenskultur. Aber eine Anwendungs- und Nutzen-orientierte Betrachtung von Technologien ist der erste Schritt, diese ernst zu nehmen.

Der Erfolgsfaktor Web 2.0

Wichtiger als die Hype- oder Technologiediskussion ist aber die Frage nach den Erfolgsfaktoren von Web 2.0 im geschäftlichen Einsatz. Damit sind wir bei der dritten Sichtweise auf das Thema. Unabhängig von Branche, Anwendungsszenario und Unternehmensgröße sollen hier kritische Erfolgsfaktoren von Web 2.0 kurz dargestellt und erläutert werden. Im Wesentlichen können drei Eigenschaften von Web 2.0 dazu beitragen, die Zielerreichung einer Organisation zu verbessern, mindestens aber, in bislang noch nicht da gewesener Weise, zu unterstützen:

„Collaboration“
Das effektive Zusammenspiel von Individuen und Gruppen innerhalb einer Organisation und Unternehmens-übergreifend verbessert den Kooperationsprozess. Die Nutzbarmachung gruppendynamischer Effekte der „Schwarmintelligenz“ fördert die Verbundenheit. Der effiziente Austausch und das Teilen von Inhalten und Wissen liefern die Basis gemeinsamer Lösungsentwicklungen. Zitat: “All need to work together as a unified team, sharing information and documentation over sometimes vast geographical distances and different time zones.”

„Communication“
Es besteht die Chance einer Professionalisierung der Kommunikationsprozesse innerhalb einer Organisation und in Projekten (Stakeholder). Zitat: “Many companies do not realise that around 80 per cent of their agility and potential operational improvement lies in communications flows and not in elementary tasks performed by individuals and systems.” Das Mund-zu-Mund-Marketing verstärkt die Reichweite der Kommunikation nach außen in Richtung Kunden, potentieller Kunden und Communites, Shareholder und Öffentlichkeitsarbeit. Feedbackprozesse, Nutzerkommentare und Bewertungen oder Empfehlungen fördern die offene Kommunikation von außen nach innen.

„Creativity“
Eine kreative Umgebung ist ausschlaggebend für Innovationsprozesse. Innovationen benötigen frühzeitiges Erkennen von Entwicklungstrends und einen breiten Handlungsspielraum für die Ideengenerierung sowie Offenheit. Die Einbeziehung von Communities und der Öffentlichkeit auch auf der Basis von Verbesserungsvorschlägen und Nutzerbewertungen liefert schneller neue Ideen und Impulse für Produkt- und Prozessinnovationen (“Crowd-Sourcing”). Von der Idee zur Erfindung ist ein weiter Weg, der kreativen Umgang mit Inhalten und Instrumenten zu deren Produktion und Verwertung sowie offene Diskussions- und Abstimmungsplattformen benötigt und die Nutzer zu eigenen Beiträgen motiviert. Innovationen müssen letztlich am Markt bestehen. Produkttests und Marktforschung in vernetzten Nutzer-Communities sind der beste Prüfstand für innovative Produkte.

Jedes Unternehmen muss für sich entscheiden, ob es die Stellschrauben Kollaboration, Kommunikation und Kreativität für den Unternehmenserfolg nutzen und dazu Web 2.0 Technologien einsetzen möchte, um damit am Markt erfolgreicher zu sein. Eine Reduktion auf eine Hype-Diskussion ist dazu kaum zielführend. Wer sich davon aber nicht beeindrucken lässt, sollte schnellstens damit starten.

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  • Das Web 2.0 hat viele Neuerungen und auch viele neue Wege geschaffen um Online Marketing effektiv zu betreiben.
    Und hier liegt auch die Gefahr für Unternehmen, die das nur halbherzig betreiben.
    Halbherzig? Ja! Was nutzen  Social Media Plattformen wie Twitter Facebook und Co, wenn die Beiträge, die Tweets und wie sie alle genannt werden vollautomatisch mit Tools veröffentlicht werden? Ist eine Software SocialMedia fähig?

    Social marketing Twitter Facebook

  • Martina Goehring

    Vielen Dank für das Verständnis, das nicht jeder mitbringt.

    Viele fragen sich doch immer noch, was ist denn daran so neu. Wir haben am Fraunhofer IAO schon vor Internetzeiten über Technologien und Software für Kollaboration, Kreativität und Kommunikation “geforscht”. Ich habe einen alten Artikel aus meiner Zeit am IAO in der Computerwoche vom 25. September 1992 zum Thema “Office Konzepte verlassen die Isolation” gefunden. “Ein völlig neuer Ansatz muss her” mit den wichtigsten Bausteinen der Bürokommunikation: Videoconferencing, Voicemail, Multimediasysteme, Vorgangsunterstützung, DMS, Imaging, Workgroup Computing, CSCW, Telekooperation und anderes. Wie kompliziert waren damals doch die Umsetzungen.

    Heute muss ich nicht nur über die Begriffe schmunzeln. Tatsache ist auch, dass diese Themen bis heute im Zusammenspiel zwischen Technologie, Organisation, Betriebswirtschaft und Mensch nicht hinreichend gelöst sind. Sonst würde man sich kaum über Web 2.0 so viele Gedanken machen. Man streitet sich ja darüber, ob Web 2.0 überhaupt eine Technologie ist oder eher ein Paradigma. Damit scheint Web 2.0 vielleicht die erste echte mensch- und organisationszentrierte Technologie zu sein, die diesen Namen verdient.

  • Markus Schwemmle

    Ein sehr schöner Artikel, der eine gute Übersicht über die Einsatzmöglichkeiten von Web 2.0 Technologien gibt.

    Beste Grüße, M. S.